| Systematische Pflanzenmodellierung durch Simulation der Entwicklung |
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Prusinkiewicz und Hanan beschreiben das Wesen des
Wachstums- oder Entwicklungsprozesses von Pflanzen, um diesen mit
L-Systemen nachzubilden.
Der Ansatz, der die Entwicklung der Pflanzen beschreibt, besitzt
folgende zwei Eigenschaften:
- Hervorheben der Raum-Zeit-Relation zwischen den Teilen der
Pflanze: Bei vielen Pflanzen können verschiedene
Entwicklungsstufen zur selben Zeit beobachtet werden. So befinden sich
einige Blüten noch im Knospenstatus, während andere schon voll
entwickelt sind und wieder andere haben sich zu Früchten
gewandelt. Wenn die Technik zur Entwicklung der Pflanzen
konsistent selbst die Entwicklung der einzelnen Organe
beschreibt, so werden solche Phaseneffekte auf natürliche Art
beschrieben.
- Möglichkeit zur Darstellung des Wachstums: Da der gesamte
Entwicklungsprozeß in einem mathematischen Modell festgehalten
ist, kann dieses benutzt werden, um biologisch korrekte Abbilder der
Pflanzen zu unterschiedlichen Zeiten der Entwicklung anzuzeigen sowie
animierte Wachstumssequenzen zu produzieren.
Aus folgenden Gründen ist der Formalismus der L-Systeme besser
geeignet, die Entwicklung von krautartigen Pflanzen zu simulieren, anstatt die
von hölzernden.
- Hauptsächlich wird das Wachstum der krautartigen Pflanzen durch
die genetischen Anlagen beschrieben. Anders ist dies bei den
hölzernen Pflanzen, da hierbei die Umwelt, der Konkurrenzkampf
zwischen Bäumen und anderen Ästen, sowie der Zufall einen groß
en Einfluß auf die Entwicklung nehmen.
- Die Entwicklung der hölzernden Pflanzen ist komplexer, da
bei ihnen das sekundäre Wachstum eine größere Rolle spielt,
welches für die Zunahme des Umfangs des Stamms und der Äste verantwortlich ist.
- Es ist schwieriger, genügend viele Daten über die Entwicklung der
Bäume zu bekommen, da diese einen deutlich längeren Lebenszyklus
besitzen.
Um das Pflanzenwachstum möglichst naturnah wiederzugeben, werden die
natürlichen Kontrollmechanismen der Pflanzen simuliert. In der
Biologie werden hierbei zwei Klassen unterschieden:
- Mechanismen, die auf Basis zellulärer Abstammung
arbeiten, transferieren genetische Informationen von einer
Vorfahrenzelle zu Nachfahrenzellen. Diese werden durch
kontextfreie L-Systeme simuliert.
- Interaktive Mechanismen sorgen für einen
Informationsaustausch zwischen koexistenten Nachbarzellen. Diese
werden durch kontextsensitive L-Systeme simuliert.
Auf diese beiden Klassen von Kontrollmechanismen wird in den folgenden Abschnitten
noch näher
eingegangen. In der folgenden Abbildung wird zuvor
eine adäquate Terminologie zur Beschreibung der
Verzweigungsstrukturen der pflanzenähnlichen Modelle vorgestellt, um
Mehrdeutigkeiten bei der Beschreibung zu vermeiden.
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Zur Vereinfachung wird das Alphabet des L-Systems auf folgende Symbole
reduziert:
- A für Apex (terminales Segment bei Baum mit Sproß)
- I für Internodium (Segment eines Baumes mit Sproß, das
mindestens ein Nachfolgesegment besitzt)
- B für Blüte
Um eine grafische Interpretation zu erhalten, sind dann später noch
die Wachstumsraten der Internodien, Verzweigungswinkel und die
Polygonmodellierung für die Pflanzenorgane Blatt und Blüte zu
ergänzen. Durch die Abstraktion von den geometrischen Details wird
der Fokus auf die grundlegenden Eigenschaften gerichtet.
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